Freundliche Stimmen

Elazar Benyoëtz (Dichter, Jerusalem) am 23.11.2015

Mo 23.11.

Meiin lieber Junge,

…Es war ein Instinkt (ich würde sagen: ein wahrer und echter, vielleicht kennst Du Vorbilder), der Dich zur Überschrift leitete: Ein Rezensions-Essay. In der Tat ragst Du (besonders) mit den Letzten in Deinen Essayistischen Rang hinein, das ist geschrieben wie gesprochen und gesprochen wie geschrieben, einfach, souverän, mit weitem Blick leicht über Bibliotheken verfügend – ganz ohne Buchgelehrsamkeit und ohne Schnörkel, locker, vergnügt, gelegentlich sich amüsierend – und alles das ist zu spüren und macht eine Rezension zur Lektüre, die man genießt, weil man das Gefühl hat, sie erlebt zu haben, ja, es steckt Leben darin und dahinter, ich habe Dich kaum zuvor so zur Blüte geneigt, ja blühend erlebt. Bedenke ich Deine Anfänge (und ich habe sie noch alle vor Augen), wie schwer, fast unmöglich war es damals, Dich zu einem „brauchbaren“ Brief zu haben.  Natürlich bin ich Zeuge einer langen Entwicklung, jetzt stehst Du im Fluss, ich wüsste nicht, wie er zum Stillstand gebracht werden könnte – er sollte nicht, ich wünschte von Herzen, er höre nimmer auf, Du bist glücklich: zum ersten Mal mit Deinem ganzen Alphabet.

Auch dafür, hauptsächlich dafür sage ich Dir und laut Dank

Dein Elazar

Hansjörg Quaderer, bildender Künstler, Dozent für Gestaltung und Herausgeber der bibliophilen edition eupalinos, Schaan/Liechtenstein am 23.11.

lieber christoph grubitz,

 

…sie sind ein philologischer goldschürfer …

und vieles ist zu lesen + zu sieben, bis ein gran gold aus dem sand zu funkeln beginnt…

mir bilden die  KIESEL im mund des rheins  so manche silben.

dort, auf den kiesbänken, im inneren mäander des rheins,  funkelt  gelegentlich pyrit, ‚katzengold‘, wie wir als buben sagten.

herzlichen gruss aus dem angeschneiten liechtenstein, hansjörg quaderer

Werner Helmich (Emeriterter Universitäts-Professor für romanische Literaturen, Universität Graz) am 10. und 12.12.2015

Lieber Herr Grubitz,

nach Beendigung einer Terminarbeit komme ich endlich dazu, Ihre beiden „Rezensionen“ zu lesen, die in Wirklichkeit hellsichtige Aufsätze sind, und bin hochbeglückt (aber nach Ihrer Dissertation nicht mehr überrascht) über Ihren poetologischen Scharfsinn. Ich habe die beiden Bände auch und kenne sie recht genau. Quaderer hat mir vor einigen Tagen den Feuer-Band freundlicherweise geschickt, den ich wirklich auch als handwerklich-ästhetisches Produkt sehr gelungen finde.

Sie haben sowohl dazu wie auch zu EBs verschiedenen poetologischen Volten und überhaupt zu seinem literarischen Selbstverständnis lauter Dinge gesagt, denen ich nur lauthals zustimmen kann. Besonders wichtig scheinen mir ihre Bemerkungen zur Lesung als Werkform: Das scheint mir wirklich etwas, das EB richtiggehend für sich erfunden hat und geradezu histrionisch auch ausagiert, mit einem schönen Zusammenwirken von Wort und Musik, in der Sache und in den Personen. …

Alles Gute und weiterhin viel solche Produktivität!

 

Mit herzlichen Grüßen, Ihr Werner Helmich

12.12.:

… Dass Sie beste akademische Bildung produzieren, lasse ich mir als Leseeindruck einfach nicht nehmen…

Elazar Benyoëtz (Dichter, Jerusalem) am 31.12.2013

Mein lieber Junge,

Deine Rezension war mir eine Freude, auch ein Genuß. Du nimmst Dich immer breiter und auch selbst ernster, man könnte beinahe sagen, Du imponierst Dir. Und das gefällt mir auch. Du wirst (nur in meinen Augen) Eugen Gottlob Winkler immer ähnlicher, unter Abzug der Zeitbedingungen und der Angst.

Du holst weit aus, sagst auch Tiefes – das Tiefste aber nur oberflächlich und kess:

„Benyoëtz‘ „Variationen über ein verlorenes Thema“ – das Religiöse – üben im Sinne Adornos Negativer Dialektik „Solidarität mit Metaphysik im Augenblick ihres Sturzes“. Es wieder zu finden oder seinen Sinn zu erneuern, steht nicht in der Macht von Aphoristik, und selbstredend auch nicht in der dieser Besprechung.“

Der Blog ist wie für Dich geschaffen, ist deine königliche Domäne, da entfaltest Du Dich am schönsten. Aber die so erlangten Resultate sind auch – wie es im Buchs steht…

Ehe ich mich über das neue Jahr hinweg verplaudere – wünsche ich Dir viel Glück, in vielen Formen, die ich nicht aufzählen kann, wenns aber auch nur etwas von Glück wäre!

Dein Elazar

Gundel Mattenklott (Vizepräsidentin der Universität der Künste, Berlin) am 23.10.2010

Sehr geehrter Herr Grubitz,

bitte entschuldigen Sie, dass ich mich einfach so Ihrer Mailadresse von der Homepage bediene. Ich möchte nur etwas anmerken zu Ihrem so klugen und anschaulichen Blog über meinen Mann. Ich kenne Ihre Seite natürlich bereits seit langem…

Mit freundlichen Grüßen und herzlichem  Dank für Ihren Blog

Gundel Mattenklott

 

Friederike Günther (Universität Würzburg, früher FU Berlin), 22.10.2010

Lieber Herr Dr. Grubitz,

ich wollte Ihnen schon längst geschrieben haben, um mich bei Ihnen für die eingehende Rezension meines Nietzsche-Buchs zu bedanken: Es ist schon eine Weile her, Sie erinnern sich: „Rhythmus beim frühen Nietzsche“ bei de Gruyter 2008, Sie waren einer der ersten Rezensenten (nach dem Hinweis im FAZ-Artikel von Geyer). Ich habe jede Zeile genossen und bin sehr dankbar, einen so sorgfältigen und wachen Leser gefunden zu haben!

Vor allem ist es mir aber schon lange ein Anliegen, Ihnen von der Reaktion Gert Mattenklotts zu erzählen. Ihre Rezension war ja auch eine Hommage an ihn, sehr zu Recht, denn ich habe unendlich viel von meinem Doktorvater gelernt und verdanke ihm viele meiner Einsichten zu Nietzsche. Er war schon damals schwer krank und ist, wie Sie sicher wissen, im Oktober 2009 gestorben.

Bei einem unserer letzten Treffen habe ich ihm Ihre Rezension gegeben, und er erinnerte sich sehr lebhaft an Ihr kurzes Gespräch auf dem Flur der Humboldt-Uni, das Sie dort erwähnt hatten. Ich glaube, er hat sich sehr über Ihre Zeilen gefreut und hätte sich, wenn er nicht bereits so krank gewesen wäre, sicherlich mit Ihnen in Verbindung gesetzt, um das dort begonnene Gespräch fortzusetzen.

Mit freundlichen Grüßen,

Ihre Friederike Günther

Werner Helmich (Emeritus für romanische Literaturen, Universität Graz)  24.12.2009

Lieber Herr Grubitz,

über Ihre Glückwünsche habe ich mich sehr gefreut; nehmen Sie die meinen als kleine Gegengabe: die neue Jahr möge Ihnen viel Gutes bringen. Ich habe zunächst einmal, wie es sich für einen Philologen geziemt, Ihre beiden EB-Essays ausgedruckt und gelesen und bin sehr angetan: eine überaus reiche Assoziationen-Ernte, die weit über eine simple Rezension hinausgeht, und ich habe bei alledem den Eindruck, dass Sie die wichtigen Kategorien (und die richtigen Namen) nennen.

Aber was ich von Ihren Arbeiten halte, wissen Sie ja längst, und EB weiß es auch. Auch Ihren Geburtstagsbeitrag zu seinem 70. schätze ich sehr. Sollte ich Ihnen einmal durch irgendein Gutachten oder eine Empfehlung noch nützlich sein können (sonst kann ich ja als Emeritus im Austragsstüberl nicht mehr viel anrichten, nicht einmal Böses, außer zu publizieren), zögern sie nicht. Am Cioran sitze ich seit der Emeritierung noch eifriger: ich muss jetzt nur noch meine 50 Seiten Zitate und Exzerpte in lesbare Form bringen.

In der Hoffnung auf ein frohes Wiedersehen grüßt Sie von Herzen

Ihr Werner Helmich

 

Elazar Benyoëtz zu meinem Beitrag in der Festschrift für Harald Fricke* (27.3.2009)

Mein lieber Junge,

gestern kam das Harald-Buch an, eben habe ichs gelesen, mit großer Genugtuung – weil eben im Vergleich – Deinen Beitrag, der in jeder Hinsicht der beste, eigengewichtige ist.

… Harald Fricke darf – immer wieder – stolz auf Dich sein oder vielmehr dankbar, Dich als Schüler gehabt zu haben.

Dein Beitrag zeigt aber auch, wie Du Dich menschlich entwickelt und bewährt hast:

Alle Jahre, von denen Du sprichst, sind in Deinem Stil gegenwärtig. Es war mir eine Freude, Deinen Text in der „ersten Fassung“ gelesen zu haben, nun war er mir ein reines Vergnügen, wofür ich Dir danken muss

Herzlich,

Dein Elazar

* Reich der Gedanken. Geburtstagsbuch für Harald Fricke, von seinen Freunden, Kollegen und Schülern dargeboten zu seinem Sechzigsten am 28. März 2009. Herausgegeben von Deborah Wetterwald und Ralph Müller

 

Peter Horst Neumann (1936-2009, Lyriker, ehemals Ordinarius an den Universitäten Erlangen und Fribourg) 2008 als Antwort auf mein Portrait über ihn:

Lesen im Winter

– 1 –

Über die weiße Seite

der Schneeblick

des Schriftgelehrten.

 

Darunter der Text.

 

– 2 – 

Vertrau dem Schatten,

er beweist das Licht.

 

Und unsere Namen

schreibe in den Schnee.

 

Die Inschrift

ist das Gedächtnis.

 

Renée Koppel (Miniaturenmalerin und Kalligraphin) an CG (12.03.07):

(Sie hat mir das Titelbild geschenkt zur Publikation meiner Festschrift für Ihren Mann Elazar Benyoëtz: Keine Worte zu verlieren. Hrsg. von Christoph Grubitz u.a. Ulm, Herrlinger Drucke, 2007)

Mon très cher Christophe

ton beau livre a un succès fou, d’abord auprès d’Elazar qui ne peut s’en détacher ….et tous ceux qui le voient , expriment leur admiration! …

je t’embrasse très affectueusement

Renée

Übersetzung:

„Mein lieber Christoph,

Dein schönes Buch hat einen Wahnsinns-Erfolg, vor allem bei Elazar, der sich kaum beruhigen kann. Und alle, die es sehen, drücken ihre Bewunderung aus!…“

Elazar Benyoëtz an CG (28.02.07, 2.03.07):

(zu meiner Festschrift für Elazar Benyoëtz: Keine Worte zu verlieren. Hrsg. von Christoph Grubitz u.a. Ulm, Herrlinger Drucke, 2007)

Lieber Christoph, lieber Junge,

nun bin ich in der Lage, wenn auch nicht in idealer Verfassung, den großen Dank auszusprechen, das große DANKESCHÖN hinzuschreiben – auf Dich hin, der Du das Buch liebevolle geplant und erdacht und aufgebaut hast, das sich  – von mir – gelesen wurde und gelesen wird als handle er vom Sinn der Liebe, und nicht von mir. Vom Sinn der Liebe war das erste philosophische Werk Margarete Susmans, die nun auch in diesem Buch eine Rolle spielt.

Aber ich will jetzt nur von Dir sprechen und nicht von den anderen. Dein Übermut ist überall spürbar und erfreulich, bis in die Kleinsten Vorbehalte hinein, es ist Dein Buch, es machte Dich glücklich, das macht mir das Unternehmen um noch soviel teurer. Es war wirklich eine Bewährung in der Liebe, das ist zum Greifen nah, das macht – vor allem das – macht das Buch so menschlich erfreulich, und macht auch das „Niveaugefälle“ unschädlich.

Was Du sagst und wie Du es sagst ist mit Kopf und Herz gesagt, und so manches lohnt sich auch über meine Privatfreude hinaus, so versteht sich Dein eigentlicher Beitrag, der Sonnemann. Das ist ein Geschenk im Geschenk, und ich denke, dass es auch Frau Sonnemann freuen wird.

Renées Miniatur war mir eine große Überraschung, von Dir vor allem sehr nobel, sie auf diese Weise Mitarbeiterin werden zu lassen. Auch dafür Dank.

Aufs Schönste Gesichtsvoll und tönend, aber ohne Nebengeräusche – ist Tsalka, auf den Du mit recht verweist, den Du überhaupt mit Liebe und Verständnis behandelst – als Editor. Er hat das Verständnis und die Liebe von denen er spricht: Kein Wort zuviel, weil die Vorlage und das Vorbild es verböten. Und was hat er darin nicht alles gesagt, und wie schön korrespondiert sein Text mit anderen im Buch, mit Deinem, mit den Helmich zumal. Und darüber hätte ich noch sehr lange schreiben können, denn es ist in diesem kleinen Punkt eine Kostbarkeit.

Und diese, mein Lieber, ist ganz allein Dir zu danken! Ein großes Geschenk. Du hast es Deinen Lieblingsbeitrag genannt, das verstehen wir also gut, und ebenso Tsalka, den Du ja auch noch persönlich erlebtest, ein großer Mensch, der, wenn er auch viel sprach, nie schwatzte. Und nie unnatürlich war oder angestrengt. Übrigens dachte ich beim Lesen Tsalkas, dass Du einen guten Übersetzer hättest abgeben können. Warum versuchst Du es nicht? Oder gar Übersetzung mit Kommentar.

Ich bin nicht stolz auf Deutschland, und nehme es hin, dass Deutschland nicht stolz ist auf mich. Also bleiben wir bei der Lampe, die der Lebensabend mit sich bringt.

Es sind alles Verhältnisse, deren Aufklärung nur heilsam wirken könnte.

Mir wurde – bis auf die Festschrift – nichts geschenkt, und so war es auch richtig.

Herzlich,

Dein Elazar

Sigrid Lange (2001): Präsentation meines Beitrags Eine Reise zu den „Ruinen der Vergangenheit“. Paris als apokalyptischer Raum in Holitischers und Masereels „Narrenbaedeker“; in: Raumkonstruktionen in der Moderne. Kultur – Literatur – Film, hrsg. v. Sigrid Lange. Bielefeld (Aisthesis) 2001.

Aus dem Vorwort der Herausgeberin:
„Christoph Grubitz analysiert die Dynamik der Moderne aus einem anderem Blickwinkel. Sein Aufsatz führt an Holitschers und Masereels Parodie des Reiseführers ein Zeitbild als allegorischen Stadtplan vor, in den die Autoren ihre prinzipielle Kritik der Moderne einschreiben. Ein vom Ersten Weltkrieg abgeleitetes apokalyptisches Weltbild und eine utopische Projektion folgen darin der überkommenen, zivilisationskritisch ausgerichteten Antinomie von Natur und Kultur. Dabei erkennt Grubitz in der emblematischen Zuordnung von Text und Bild gleichzeitig die Spannung von engagierter Kunst, Ästhetizismus und bürgerlicher Autonomie-Ästhetik.“

DELPHINE BECHTEL (Prof. à l’université de Paris IV, Sorbonne): Auszug aus der Rezension zu meiner Dissertation 1997

Grubitz analyse à l’aide d’un appareil théorique convaincant les procédés rhétoriques dans les aphorismes, en particulier l’usage de métaphores figées prises et l’ironie sur la banalisation de l’usage commun des mots que Benyoetz décortique pour en révéler la polysémie. Il propose une analyse étayée par une articulation théorique, alliant de la rhetorique et la philosophie du langage. Le style ludique, l’humeur, et la densité ont pour soubassement une réflexion approfondie sur la langue.

Übersetzung: „Grubitz analysiert auf einer überzeugenden theoretischen Grundlage die rhetorischen Verfahren in den Aphorismen, besonders die Wiederbelebung erstarrter Metaphern und die Banalisierung im gewöhnlichen Wortgebrauch, die Benyoëtz aufdeckt, um ihre Mehrdeutigkeit und Ambivalenz herauszuarbeiten. Er schlägt eine Analyse vor, die sich auf eine analytische Sprache in Verbindung mit Rhetorik und Sprachphilosophie stützt.“

Delphine Bechtel: Études germaniques, juillet-septembre 1997

(Prof. Ph.D. Delphine Bechtel ist Professorin für Kultur und Geschichte der mittel- und osteuropäischen Juden und Directrice des Centre interdisciplinaire
de recherches centre-européennes CIRCE an der Université de Paris-IV Sorbonne)

HARALD WEINRICH

(Emeritus für Romanische Literaturen am Collège de France, Paris; zuvor unter anderem Gründer des Instituts für Deutsch als Fremdsprache und Gründungs-Professor für Romanistik an der Reform-Universität Bielefeld)

Der Aphorismus – eine eigenartige Gattung. Sie ist, außer durch ihre knappe, prägnante, pointierte Form, auch durch ihren Inhalt definiert: Aphoristik als Moralistik. Bei Elazar Benyoëtz ist diese Kunst, über die europäische Literatur hinweg, auch mit der hebräischen Spruchdichtung verwandt.

In Christoph Grubitz hat Elazar Benyoëtz einen Interpreten gefunden, der den hohen Ansprüchen der Gattung und des Autors gerecht wird. Man darf folglich auch gewiß sein, bei der Lektüre und Betrachtung dieses Gegenstands ein Stück mehr von der Sprache, von der Welt zu verstehen.

Harald Weinrich: Geleitwort zu meinem Buch: Der israelische Aphoristiker Elazar Benyoëtz. Niemeyer 1994. 2. Auflage de Gruyter 2011

HARALD FRICKE (1949-2012, ehemals Ordinarius für Neuere deutsche und Allgemeine Literaturwissenschaft, Université de Fribourg en Suisse), Januar 1993

Im Typenspektrum möglicher Thesen [Doktorarbeiten] stellt die Arbeit von Herrn Grubitz ein etwas anderes Genre als üblich da: keine neuen Detailaspekte zu bereits wohlbekannten literarischen Werken oder jedenfalls Autoren, sondern die nahezu erstmalige Präsentation eines hochbedeutenden, hochkompetenten und auch hochproduktiven ‚unbekannten‘ Verfassers – also das Genre der ‚Entdeckung‘, das dem Genre der ‚literaturhistorischen Rettung‘ in vieler Hinsicht vergleichbar sein dürfte.

Ungeachtet mancher Einwände muss zusammenfassend hervorgehoben werden, dass es sich hier um eine gelungene Arbeit mit einem enorm weiten Horizont handelt, von ungewöhnlich vielseitiger Bildung und gewandter, häufig origineller Formulierung.

Harald Fricke: Gutachten zu meiner Dissertation, Université de Fribourg, Januar 1993

28.3.1984: Hans Wollschläger (1935-2007) antwortet auf einen Brief von mir, damals einem 18jährigen schüchternen angehenden Abiturienten, der soeben vom Eindruck der Lektüre des Romans „Herzgewächse“ und einer Lesung Wollschlägers überwältigt war, und ihm diese Verstörung offen mitteilt:

Lieber Christoph Grubitz –

Ich danke Ihnen für Ihren Brief und es tut mir leid, daß er Sie Überwindung und Verzweiflung gekostet hat -: ich kenne das wohl, denn ich habe einstens auch solche Briefe Briefe geschrieben; aber in Wirklichkeit ist es ganz einfach. Denn mein Autor-Ich und mein privates sind zweierlei: – es ist jedenfalls mit=hier viel leichter umzugehen als mit dem Verfasser meiner Bücher. Also: kommen Sie getrost und ohne Befangenheit; wir sehen dann einfach, ob wir uns verständigen können, ja? Mögen Sie am kommenden Montag (2. April) um 17 Uhr auf ein Stündchen? Ich muß es so genau sagen, weil ich im Moment in sehr viel Arbeit gefangen bin…

Mit herzlichem Gruß Ihr Hans Wollschläger

 

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