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Fragen Sie Professor Kaul. Aus Anlass der Wahl

24. September 2017

Friedrich Karl Kaul (Rechtsanwalt, Berlin, Hauptstadt der DDR) 1967 zu den Erfolgen der NPD:

„Die NPD verdankt ihre Entstehung der von der bisherigen Regierungspartei betriebenen Politik. Sie ist eine Ersatzorganisation der am 23.Oktober 1952 verbotenen SRP (der Sozialistischen Reichspartei). Insofern stehen sie und ihr Wirken von vorneherein außerhalb des Gesetzes. Für die Erörterung und Begründung dieser Feststellung ist die Teilnahme eines Sprechers der KPD unerlässlich.“

Die Sendung Fragen Sie Professor Kaul machte ihn in der DDR außerordentlich populär. Kaul war als Strafverteidiger auch vor westdeutschen Gerichten zugelassen. Er verteidigte 1956 die DKP im Verbotsverfahren vor dem Bundesverfassungsgericht wie auch andere westdeutsche Linke.

So wurde dabei auch ein Lehrer für die politischen Strafverteidiger der BRD. Sie lernten von ihm unter anderem, die Strafprozessordnung wirklich anzuwenden. Einer von ihnen, Heinrich Hannover, schrieb in einem Porträt zum 100. Geburtstag des Meisters:

„Er gehörte zu den rassisch und politisch unerwünschten Antifaschisten, die nach dem Zusammenbruch des Hitler-Reichs aus dem Exil zurückkehrten und in der DDR das bessere Deutschland sahen.

Daß ihn Richter und Staatsanwälte nicht mochten, denen er mit vollendeter Höflichkeit und in kunstvoller dialektischer Verpackung die größten Unverschämtheiten sagen konnte, ist kein Wunder. So soll er einem Bundesrichter, der ihn fragte, ob er dem Gericht vorsätzliche Rechtsbeugung vorwerfen wolle, entgegnet haben: Natürlich vorsätzlich! Ich würde es niemals wagen, einem Bundesrichter Fahrlässigkeit vorzuwerfen.«

Es war immer ein intellektuelles Vergnügen, seinen schlagfertigen rhetorischen Eskapaden zuzuhören.“

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